Leaks zu Ronaldo, Bayern München & Co: Treffen mit dem Football Leaks-Informanten | STRG_F

Leaks zu Ronaldo, Bayern München & Co: Treffen mit dem Football Leaks-Informanten | STRG_F
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. Dieser Informant hat
den Fußball aufgemischt. Ein junger Portugiese hat
die Bayern in Bedrängnis gebracht. Und Cristiano Ronaldo
Steuerbetrug nachgewiesen. Der Typ ist Ronaldo-Fan. Und hat ihn trotzdem mit den
Football-Leaks vor Gericht gezerrt. Jetzt ist er aufgeflogen
und hat Todesangst. Wir können ihn zu einem exklusiven
Interview treffen. Was treibt ihn an?
Und was droht ihm jetzt? Mehr als ein halbes Jahr lang habe
ich mich mit Kollegen vom NDR, vom Spiegel und
anderen europäischen Journalisten durch ein riesengroßes
Datenleck gewühlt. Das waren tausende
E-Mails, PDF-Dokumente. Aus der internationalen
Welt des Fußballs. Das Ergebnis am Ende
waren die Football-Leaks. Vielleicht habt
ihr davon schon gehört. Wir konnten zeigen, wie Ronaldo
bei seinen Steuern beschissen hat. Er wäre sogar fast
in den Knast dafür gegangen. Fand er gar nicht so witzig. Oder hier, das haben wir
auch in den Dokumenten gefunden. Clubs wie Paris St Germain
hatten dreist geschummelt. Damit sie sich
Superstars leisten konnten, haben sie mega viel
Kohle von Scheichs bekommen. Obwohl die UEFA-Regeln das verbieten. Auch die Bayern haben
wir in den Daten gefunden. Sie planten ganz heimlich, eine elitäre private
Super-Liga zu gründen. Das fanden
die Fans gar nicht so geil. Und Fifa-Präsident Gianni Infanttino hat diesen Clubs
dabei sogar geholfen, nicht bestraft zu werden. Die ganzen Daten stammten von
einem Mann, den wir John nannten. Wir kannten ihnen nur
aus verschlüsselten Chats. Er wollte unerkannt bleiben. Schließlich haben seine Enthüllungen den modernen
Fußball infrage gestellt. Vor drei Wochen ist etwas
ziemlich Beschissenes passiert. John ist aufgeflogen. Unsere Quelle,
der Informant von Football-Leaks. Das hätte auf jeden Fall
nicht passieren dürfen. Der Informantenschutz
sollte immer über allem stehen. Was genau da an Fehlern passiert ist, das wissen wir noch nicht genau. Es gab auf jeden Fall
einen Haftbefehl aus Portugal. Er wurde in Budapest,
in Ungarn, festgenommen. Als klar war, dass
wir mit ihm sprechen können, sind wir sofort zu ihm hin. Es sieht schon schön aus. Wir sind gerade in Budapest.
Sag mal, warum. Wir sind kurzfristig
nach Budapest gefahren. Weil klar ist, dass unsere
Quelle von Football-Leaks, John, festgenommen worden ist. Und ausgeliefert
werden soll, nach Portugal. Das ist ein Problem. Die Vorwürfe
sind versuchte Erpressung. Und Cyber-Kriminalität. Das Aneignen privater Daten. Ich muss mich
hier auch hineindrängeln? German television. Go away… Wir wollen versuchen, mit ihm im Hausarrest
ein Interview zu machen. Um zu erfahren,
was er zu den ganzen Vorwürfen sagt. Vielleicht erfahren
wir heute Nachmittag mehr. Im Hotel treffe
ich die Kollegen vom Spiegel. Und einen französischen Journalisten. Wir alle hatten als Team
gemeinsam in den Daten recherchiert. Aber nur einer
von uns kannte John persönlich. Und das war er
hier, Rafael Buschmann. Rafael hat ihnen regelmäßig besucht. Dass nur er ihn kannte,
hat John auch geschützt. Aua. Er hat Komplexe, weil er eine
kleinere Kamera hat als du. In einer Viertelstunde
sind wir verabredet. * Musik * Ich bin super neugierig, was für ein
Typ des ist. Wie der tickt. Warum er das macht.
Warum er bereit ist, sein ganzes Leben
davon dominieren zu lassen. Und jetzt auch persönliche
Konsequenzen durchzustehen. Ich bin sehr
gespannt auf seine Motivation. Und auch, wie
er jetzt auf uns reagiert. Das ist meine erste Sorge.
Da bin ich gespannt. Ich wäre mega überfordert. Wenn so viele Leute bei mir
auf einmal in der Bude sitzen. Und Fragen stellen. Im portugiesischen TV wurde
der Informant schon reißerisch als Hacker verurteilt und belagert. Das alles hat
ihn ziemlich nervös gemacht. Auch die Polizei war immer wieder
vor der Tür, um ihn aufzuhalten, falls er versucht, zu flüchten. Jetzt sind wir die Ersten, die
ihn exklusiv interviewen können. Sobald die Luft rein ist. Wir warten jetzt mit der Kamera. Etwas unauffällig,
mit dem Stativ hier. Ob die Lage
vor der Wohnung gut aussieht. Deswegen bleiben
wir hier an der Ecke stehen. Und die anderen gehen schon mal vor. Rafael hat das
noch mal kontrolliert. Es scheinen weder Paparazzi,
noch die Polizei vor Ort zu sein. Deswegen trauen wir uns, so
leicht versetzt dorthin zu gehen. Wir werden aber reagieren, wenn Rafael ein Zeichen gibt
und merkt, dass da jemand ist. * Spannende Musik * Und dann steht er vor mir, John,
die Quelle von Football-Leaks. Eigentlich heißt er Rui Pinto. Er ist 30 Jahre alt,
kommt aus Portugal. Und hat in
Budapest Geschichte studiert. Rui steht unter Hausarrest und wird
mit einer Fußfessel überwacht. Die muss er, wie sein Handy,
einmal am Tag aufladen. Rui hat sich entschieden, an
die Öffentlichkeit zu gehen. Weil er glaubt, dass ihn das schützt. Und weil er sich erklären will. Die Dokumente haben ein ganzes
System von Korruption enthüllt. Und Rui hat damit die ganz Großen des
Spitzenfußballs herausgefordert. Aber warum hat er das alles gemacht?
Was war seine Motivation? * Gelächter der Journalisten * Ein Fußball-Fanatiker also. Irgendwann merkte er, dass im
Fußball-Geschäft etwas falsch läuft. Na gut, Fußballfans,
die den Kommerz scheiße finden, kenne ich viele,
aber Rui Pinto ging dann weiter. Das Interview geht über Stunden. Rui erzählt, dass ihn gefreut habe, wie Football-Leaks
überall diskutiert wurde. Aber auch, dass er sich mehr
Konsequenzen gewünscht hätte. Auf einmal zeigt er uns
eine Sammlung alter Bücher. Ein wichtiges Detail. Denn immer wieder gab es Vorwürfe, er hätte mit den Football-Leaks
Geld verdienen wollen. Er sagt, er hätte nie Geld
für Informationen bekommen. Auch von uns gab es
selbstverständlich nie Geld für die Football-Leaks. Die Frage ist aber,
wovon lebt Rui in Budapest? Er erzählt uns, dass sein Vater ihm das Handeln
mit Antiquitäten beibrachte. Während seines Erasmus-Studiums in
Budapest habe er das wiederentdeckt. Davon könne er leben, sagt Rui. Nach 4 Stunden Interview machen wir uns auf den Weg zurück
ins Hotel. Erstmal sacken lassen. Morgen wollen wir weitermachen. * Mysteriöse Musik * Es ist auf jeden Fall faszinierend. Ich glaube,
ein sehr intelligenter Mann. Der sich sehr viel
selber beigebracht hat. Und der einfach
nicht aufhören konnte. Es gibt eine lustige Parallele
zu seiner Grundschulzeit. Wo er als ADHS-Kind, so hat er
sich beschrieben, stören musste. Und nicht aufhören konnte,
wenn er irgendwas angefangen hat. Das Gleiche ist jetzt bei
Football-Leaks der Fall gewesen. Er hat gemerkt,
dass es da Daten gibt. Dass es da unfassbar
viel Korruption gibt. Hat angefangen zu wühlen.
Konnte aber nicht aufhören. Das endet aktuell gerade mit
der Fußfessel an seinem Bein. Der nächste Morgen. Teil zwei unseres Interviews
beginnt mit einer Überraschung. * Musik * Krass. Rui Pinto bewundert
den Fußballer Ronaldo. Und hat ihn mit den Football-Leaks
trotzdem vor Gericht gebracht. Wegen Steuertricksereien. Ronaldo musste 20 Mio. Euro zahlen. Sonst wäre der bekannteste Fußballer
der Welt in den Knast gegangen. Wir machen eine Pause,
wir alle brauchen einen Kaffee. Rui und ich reden in der kleinen
Küche seiner Wohnung weiter. Drei Jahre arbeitete
er an den Football-Leaks. Im Zentrum eines Netzwerks. Die portugiesischen Behörden müssen ihn schon eine Weile
auf dem Schirm gehabt haben. Warum wollten sie ihn dann
ausgerechnet jetzt festnehmen? Rui hat da seine Vermutung. Seitdem bekommt
er Todesdrohungen, sagt er. Sein Foto war überall. Bei vielen Benfica-Lissabon-Fans
sei er verhasst. Weil sie glauben, dass
er ihrem Verein geschadet hat. (Reporter:) Okay? Thank you. Thank you very much. Jederzeit kann ein ungarisches
Gericht darüber entscheiden, ob er nach
Portugal ausgeliefert wird. Good luck. – Nice to meet you. Nach 10 Stunden
bei unserem Informanten haben wir alle
unsere Fragen gestellt. Rui Pinto hat meinen Respekt. Um zu zeigen, wie dreckig
das Fußballgeschäft ist, hat er einen hohen Preis bezahlt. Aber hat es sich gelohnt? Ich bin echt gespannt, was
seine Zukunft jetzt bringt. Hier unten ist seine Wohnung. Aber hier unten sitzt auch irgendwo
das ungarische Gericht, das darüber entscheiden wird, ob er
ausgeliefert wird, nach Portugal. Das möchte er
auf jeden Fall verhindern. Weil er Angst hat, dass es keinen fairen
Prozess für ihn in Portugal gibt. In der Vergangenheit war es oft so, dass ein Whistleblower
aus einem Unternehmen heraus, aus einer Institution
heraus Daten genommen hat, und gesagt hat, ich muss jetzt das
an die Öffentlichkeit bringen. Das sind so große Verstöße, das ist
so wichtig. Bei Rui war es anders. Deshalb ist es
eine interessante Frage, ob er auch genau
so ein Whistleblower ist. Im Endeffekt ist er kein Teil
vom Fußball-Business gewesen. Hat aber trotzdem
Zugang dazu bekommen. Und diese Daten sammeln können. In Ungarn gibt es
seit 2014 ein Gesetz, das Whistleblower schützen möchte. Sie müssen jetzt
erstmals richtig abwägen, das ist ein harter Test
für das neue Gesetz, was wiegt mehr, der Schutz eines
Informanten, Whistleblowers, oder mögliche Rechtsverstöße,
die geschahen, als diese Daten
beschafft worden sind. Das ist eine Abwägungsfrage, die bei Rui über Knast
oder Freiheit bestimmt. Unsere Reise hier
in Budapest geht zu Ende. Rui Pinto bleibt hier unten
im Hausarrest in seinem Zimmer. Die Justiz entscheidet,
was mit ihm geschieht. Was ist denn aber eure Meinung? Darf ein Whistleblower alles tun, damit die Dokumente
veröffentlicht werden? Was ist wichtiger,
das öffentliche Interesse? Oder illegale Handlungen,
die dahinter stehen, um an die Daten zu kommen? Schreibt es uns in die Kommentare.
Wir sind gespannt auf ein Feedback.

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